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innere stille yoga unterrichten

Innere Ruhe im Yoga unterrichten: Wie du mit weniger Input mehr Tiefe schaffst

In Zeiten von Second Screen, Streaming und Social Media, kann man sich Reizüberflutung kaum noch entziehen, und das hat auch vor unseren Yogaklassen keinen halt gemacht. Woher diese Reizüberflutung kommt und wie du nachhaltige innere Ruhe im Yoga unterrichten kannst, zeige ich dir in diesem Artikel.

Die Sehnsucht nach Stille

Viele Menschen sehnen sich aktuell nach Stille. Aber überall scheint es laut zu sein. Der Nachbar der um 7 Uhr morgens schon den Schlagbohrer, den Laubbläser oder den Rasenmäher anschmeißt. Der Hund, der ständig bellt, die Musik, die aus den Autos schallt, oder die Videotelefonate in der U-Bahn, die über Lautsprecher stattfinden. All das empfinden wir als störend, aufreibend und überreizend. Die Menschen suchen in ihrer Freizeit nach Stille und fahren in die Natur, in der Hoffnung der lauter gewordenen Welt zu entkommen.

Ist die Welt lauter geworden?

 Zu viel Krach macht krank, deshalb gibt es in Deutschland natürlich Richtwerte, die Regeln wann es zu laut ist. Aber wer schonmal in der Natur war, weiß, das kann alles andere als leise oder gar still sein. Man hört die Blätter rascheln, Tiere rufen, Insekten zirpen, oder Wasser rauschen. Hier ist absolute Stille wie ein Warnschuss für Gefahr. Man würde anfangen besonders genau hinzuhören und der Körper in Alarm Bereitschaft versetzen – also in Stress. Das Herz schlägt schneller, Adrenalin schießt durch den Körper, um schnell einer Gefahr entfliehen zu können, einzufrieren oder zu kämpfen. In der Natur erleben wir natürliche Geräusche, die dem Menschen vertraut sind. Sie sind genauso in uns hinterlegt, wie Atmen, Hunger oder Durst.

Was noch nicht in uns hinterlegt ist, sind die vielen unnatürlichen urbanen Geräusche wie Laubbläser, Baustellen, Flugzeuge oder Rasenmäher. Also jenen Geräuschen, die vor allem die Industrialisierung mit sich gebracht hat. Aber mit diesem Lärm leben wir Menschen jetzt auch schon ein paar hundert Jahre. Was hat sich verändert?

Lärm bekommt Gesellschaft

Zu diesen lauten Geräuschen, hat sich in den letzten 20 Jahren ein anderer Lärm gesellt. Ein Lärm, den man nicht hören kann, den wir aber trotzdem als solchen wahrnehmen. Ein Lärm, der vor allem unsere Aufmerksamkeit bindet: Informationslärm und Geräte, die meistens ihren Besitzer in der Hand haben, statt umgekehrt. Viele können keine zehn Sekunden sein, ohne aufs Handy zugucken, jeder Spaziergang wird mit einem Podcast untermalt. Der Trend geht zum Second Screen. Mahlzeiten werden vor dem Fernseher eingenommen, beim Meditieren oder Yoga wird Musik abgespielt.

Diese vielen Informationen, die ständig auf uns einprasseln, überreizen auf Dauer das System. Es stört, reizt und stresst uns. Wie ein kratziger Pullover, der einfach nicht aufhört zu jucken, egal wie oft gewaschen oder egal wie viel man drunter zieht. Man kann das Gefühl einfach nicht abschütteln.

Das ist die äußere Schicht. Von außen kommen die reize, die sich dann ihren Weg ins Innere bahnen und die, wenn wir es zu lassen, sich festsetzen. Sie binden unsere Aufmerksamkeit und unsere Kraft. Beides fehlt dann an anderer Stelle. Wenn es also von außen keine Reize kommen, dann ist es endlich still, oder?

Reizüberflutung innere Ruhe Yoga Unterrichten

Too many tabs open

Es gibt auch noch den Lärm, der im Inneren stecken kann. Viele Menschen leiden unter inneren Monologen, Streitgesprächen, „Das nächste Mal würde ich x sagen!“, Liedschnipsel, die im Loop spielen, Dinge, die wir auf keinen Fall vergessen dürfen, „Wo ist eigentlich mein Schlüssel?!“, etc. Ich kannte lange wenig Menschen, denen es so ging wie mir. Die nachts nicht schlafen konnten, weil der Kopf das best of der 80,90er und die Hits von Heute abspult, Gespräche durchgeht, die entweder stattgefunden hatten oder die ich gedanklich schonmal übte. Besonders am Anfang als Yogalehrer war ich noch weit weg von innere Ruhe in Yoga unterrichten.

Reizüberflutung im Yogaunterricht

Jede einzelne Yogaschülerin, die ich bisher unterrichtet habe, kann es gar nicht aushalten still zu sitzen und kaum Input zu bekommen. Die ersehnte Stille und Ruhe im Yoga unterricht setzt ein, der Puls kann sich beruhigen, der Körper fährt runter, der Stress kann abfallen. Jetzt müsste Ruhe einkehren. Müsste. Stattdessen wird sich an der Nase gekratzt, das Shirt zurecht gezuppelt, der Nacken gedehnt oder mit den Zehen gewackelt.

Wenn der Körper still wird, zum Beispiel in einer Meditation, hat man das Gefühl der Affe mit dem Leierkasten im Gehirn dreht nochmal so richtig auf. Oder für viele noch schlimmer, es besteht die Möglichkeit auf Langeweile. Deshalb mögen die meisten Yogaschülerinnen körperlich anstrengende Yogastunden vor einer Meditation oder Savasana, statt einer ruhigeren Stunde. Wie im Kloster ora et labora – arbeiten und zur Ruhe kommen.

Und mit der Prämisse kommen die meisten Yoga-Schülerinnen in eine Yogastunde. Sie wünschen sich Ruhe, mal eine Pause von den vielen Geräuschen, den vielen Erwartungen und Informationen die tagtäglich auf einen einprasseln. Sie wollen ihren inneren Kritiker zusammen mit dem inneren Kind, mal einen Moment in die Ecke setzen. Wenn nötig mit dem Gesicht zur Wand. Endlich Ruhe im Karton. Sie haben schon die Erfahrung gemacht, wenn man sich auspowert und müde ist, wird es leiser. Der Körper hat keine Kraft mehr für innere Monologe, Einkaufszettel und To-do-Listen. Mit wenigen kleinen Veränderungen kannst du ruhigere Yogaklassen gestalten, die deinen Schülerinnen helfen zu entspannen und abzuschalten vom Alltag.

Ruhige Yogaklassen gestalten

  1. Schütteln am Anfang der Stunde, bevor irgendwas anderes passiert. Dadurch wird viel Überflüssige, nervöse, überreizte, unaufmerksame Energie rausgeschleudert. Danach fällt es leichter, sich hinzusetzen und den eigenen Zustand wahrzunehmen.
  2. Pausen. Als Yogalehrern wollen wir unseren Schülerinnen gerecht werden und ihnen geben, was sie wollen. Gleichzeitig lehren wir Yoga und nicht Aerobic. Und Yoga lehrt uns zu fühlen, zu beobachten und wahrzunehmen was ist. Das kann man aber nicht, wenn man nicht auch mal innehält.
  3. Bewusst auf Musik verzichten. Es mag anfangs ungewohnt für euch alle sein und es wird auch mal zwischendurch eine unangenehme Stille aufkommen, die man auch als Lehrer aushalten, lernen muss. Aber innere Ruhe kann nicht entstehen, wenn wir nicht auch äußere Reize reduzieren.

Zusammenfassung – Innere Ruhe im Yoga unterrichten

Ruhe und Stille sind nicht dasselbe. Wir glauben äußere Stille macht uns auch innerlich ruhig und für eine kurze Weile mag das auch stimmen. Langfristig kommen wir aber nicht umhin, zuzuhören, was unser Inneres uns sagen will.

Wenn wir uns immer ablenken oder ablenken lassen, können wir keine innere Ruhe finden. Das wonach sich so viele Menschen sehnen. Als Yogalehrende können wir einen Teil dazu beitragen, dieses Wissen weiterzugeben und unsere Stunden reizarmer und ruhiger zu gestalten. Dabei kann trotzdem Hitze im Körper entstehen und der Körper trainiert werden. Das eine muss das andere nicht ausschließen. Und so können wir innere Ruhe im Yoga unterrichten und mit gezieltem Input mehr Tiefe schaffen, dass unsere Schülerinnen mit in ihren Alltag nehmen können, das wirklich ent-spannt.

Inspiriert zu diesem Artikel wurde ich im Urlaub morgens in Musso im Garten beim meditieren saß, nachdem ich einen Artikel las in dem es um Stille ging. Um mich herum nichts als die Geräusche des Wasserfalls hinterm Haus, der Wind der durch die Bäume zog und die Vögel die ihr Konzert gaben. Und ich stellte fest, das mein eigener Yoga unterricht sich im laufe der Jahre verändert hat.

Energetisch Spiritueller Coach Helen Tenorth nrw

Hej, ich bin Helen!


Ich begleite Frauen dabei, mehr Klarheit, Leichtigkeit und Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen – mit Yoga, Energiearbeit und Coaching. In meinen Blogartikeln teile ich Gedanken, Übungen und Impulse, die dich inspirieren sollen, deiner eigenen Intuition zu vertrauen. Wenn du Lust hast, tiefer einzutauchen: Schreib mir oder schau dich hier um – ich freue mich, dich kennenzulernen.

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