Richtig Verfluchen: Warum du dir selbst am meisten schadest
Hasskommentare und Todeswünsche sind in unserer online-kultur leider für viele zum Alltag geworden. Auch abseits der Onlinewelt, passiert es schnell, dass man jemandem die Pest an den Hals wünscht. Ich zeige dir, warum das energetisch keine gute Idee ist und was eine bessere Alternative sein kann.
Als ich nichtsahnend im Wartezimmer meiner Chiropraktikerin durch Instagram scrollte, blieb ich bei einer Nutzerin hängen, die in ihrer Story Beiträge zur Situation in den USA repostete. In all diesen Posts ging es nur darum den Menschen vor Ort schlechtes zu wünschen, von Krankheiten, die sie selber betreffen sollten, bis hin zu todeswünschen für die Familienmitglieder oder deren Kinder.
In der Energiearbeit bezeichnen wir das als Fluch oder schlechten Wunsch. Das heißt einer Person oder einer Personengruppe aus dem Herzen schlechtes wünschen, wie zum Beispiel Krankheiten oder Unfälle.
Normalerweise stoßen solche postings oder Situationen folgende Frage in mir an:
Was habe ich mir da gerade eigentlich reingezogen?
Flüche kennen wir sonst nur aus Märchen, wenn die böse Hexe die schöne Prinzessin verflucht oder den Prinzen in einen Frosch verwandelt. Aber als ich diese postings sah, wurde mir klar: das sind ja auch Flüche! Habe ich jetzt auch verflucht, weil ich es gelesen habe? Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen! Stundenlang habe ich überlegt, wie ich das jemandem erklären könnte, der keine Ahnung von Energiearbeit hat und sich, ohne es zu merken, schlechte Wünsche reinzieht und verteilt.
Wer definiert denn was schlecht ist?
Im Buddhismus glaubt man, dass die Seele Bewertungen wie gut, schlecht, schön, hässlich etc. nicht kennt. Für die Seele ist alles Neutral. Wir Menschen haben Kategorien erfunden, in die wir erlebtes, einsortieren, damit wir uns zum Beispiel darüber austauschen können.
Mit Schlecht beschreiben wir den Umstand, dass man jemand anderem Schaden möchte. Jemand oder eine Personengruppe soll eine schwere Krankheit erleiden, es soll ein Unglück passieren, der Familie soll etwas schlimmes zustoßen, oder sogar bis zu todeswünschen. Doch wenn du anderen Schaden wünschst, schadest du in Wahrheit vor allem dir selbst.
Warum schade ich mir selbst?
Kurzgesagt: Du bekommst mehr von dem, was du rausgibst.
Die Energiearbeit, mit der ich arbeite, hat ihren Ursprung im tibetischen Buddhismus. Da gibt es das Gesetz aus Ursache und Wirkung, besser bekannt als Karma (https://yogaworld.de/was-bedeutet-karma/). Nicht nur der Buddhismus, auch das Christentum kennt dieses Gesetz und formuliert es ungefähr so: „Du erntest, was du sähst.“ Unser Handeln, Sprechen und Denken, setzt eine Ursache, die dann eine Wirkung nach sich zieht. Meine Buddhistische Lehrerin Jenny hat dazu einen großartigen Artikel geschrieben, der Karma aus der Sicht der Energiearbeit in Gänze erklärt, wenn du tiefer einsteigen möchtest (https://lovetoseeyougrow.de/was-ist-karma/ ).
In unseren Breitengraden hat sich in den Köpfen festgesetzt, das Karma eine Art Punktesystem ist, nachdem man dann im nächsten Leben bestraft oder belohnt wird. Ganz so stimmt das nicht. Du bekommst karmisch mehr von dem, was du rausgibst. Das ist vergleichbar mit deinem Spiegelbild. Wenn du grimmig drein guckst, wird dein Spiegelbild nicht zurücklächeln und umgekehrt. Beim Spiegelbild kommt die Antwort sofort. Beim Karma kann die Antwort jeder Zeit folgen.
Das wichtige, was wir uns merken wollen, ist, dass wir mehr von dem bekommen, was wir rausgeben. Daraus leitet sich dann folgendes ab: Wovon möchte ich in meinem Leben mehr haben?
Ich möchte nicht voreilig urteilen, aber Angst, Wohnungslos, Tod und Verderben, waren nicht dabei, oder? 😊Vielleicht hast du jetzt Sorge, schon selbst jemanden aus Versehen verflucht zu haben und dir wer weiß was aufgeladen zu haben.
Kann ich aus Versehen jemanden verwünschen?
Ja, kann man. Allerdings würde ich nicht aus Versehen sagen, sondern unbewusst. Same difference. Je mehr wir unsere Wahrnehmung schulen und lernen sie bewusst auszurichten, desto weniger unbewusstes passiert. Alle drei Sekunden macht das Unterbewusstsein ein Bild von der Realität. Der Rest, wird mit Erinnerungen aufgefüllt. Bei manchen kann es auch langsamer oder schneller sein. Ein Alltagsbeispiel dafür ist, dass manche Autofahrenden nicht direkt losfahren, wenn die Ampel Grün wird. Dann kann dieser Abgleich verlangsamt sein, wenn nicht am Handy gedaddelt wurde. Wenn du es fortan anders machen und niemanden mehr verwünschen möchtest, geht das über die eigene Wahrnehmung.
Wie du in Zukunft Fluchen wirst
Es ist erstmal wichtig zu verstehen, Entwicklung ist ein Prozess. Besonders wenn man sich im Bereich der Wahrnehmung bewegt, ist es kein Zaubertrick und im nächsten Moment schwebst du engelsgleich durchs Leben. Aber nach kurzer Zeit wirst du erste Veränderungen erleben und irgendwann musst du gar nicht mehr aktiv daran denken.
Zuerst schärfen wir die Wahrnehmung dafür, wie wir auf Nachrichten aller Art reagieren. Wir beobachten unsere Gedanken und Reaktionen auf Neuigkeiten egal wo sie herkommen. Mit der Zeit wird deine Wahrnehmung immer feiner werden und es wird dir immer bewusster, wie du gerade reagiert hast. Wenn sich deine Wahrnehmung dafür schärft, wirst du immer besser darin werden dein eigenes Verhalten bewusst zu verändern.
Keine Moralkeule, kein „ich bin besser als du“. Beobachten, Wahrnehmen, für sich selbst entscheiden.
Wie du die Aufmerksamkeit neu ausrichtest
Immer häufiger werden dir Situationen begegnen, in denen du gerne losfluchen würdest. Nicht weil die Welt zugrunde geht, sondern weil deine Wahrnehmung feiner geworden ist und weniger unbewusst abläuft. Jetzt kannst du ganz anders reagieren, auf Momente, in denen du gerne losfluchen würdest.
Mein Lösungsvorschlag ist folgender: Wenn du etwas siehst, was du ungerecht oder blöd findest:
- Halte einen Moment inne und atme tief ein und vollständig aus
- Frage dich: muss ich darauf reagieren?
- Wenn du das mit „Ja“ beantwortest, überlege wem du von Herzen etwas gutes wünschen möchtest. Was ist nützlich? Was ist Gut für alle Beteiligten? Das könnte dann so aussehen:
- „Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr in Sicherheit und Freiheit leben könnt.“
- „Ich wünsche dir von Herzen, dass du dein Glück findest.“
- „Ich wünsche dir von Herzen einen guten Übergang.“
Das müssen nicht exakt diese Worte sein. Das kann deine eigene Formulierung sein. Du kannst es Laut aussprechen oder denken. Wichtig ist, dass es von Herzen kommt.
Je allgemeiner deine Wünsche sind, desto weniger Übergriffig sind sie
Eine Frage, die mich zu diesem Thema erreicht hat, ist, ob nicht alle Wünsche, gut oder schlecht, übergriffig sind. Meine Meinung dazu ist folgende: Es wird in dem Moment übergriffig, wo du jemandem etwas wünschst, was die Person deiner Meinung nach braucht. Sagen wir, du magst den Partner deiner Freundin nicht. Er ist schon okay, aber du findest, sie könnte glücklicher sein. Die Meinung darfst du haben, aber es ist ihr Leben. Sie trifft die Entscheidungen, auch wenn sie uns nicht gefallen. An dieser Stelle ist es übergriffig ihr zu wünschen, dass sie einen besseren Partner findet und mit dem glücklich wird. Aber bevor du ihm wünschst, dass er morgen vom Blitz getroffen wird, kannst du ganz allgemein einen Guten aussenden, dass beide glück und Liebe finden mögen. Je unpräziser und allgemeiner, desto un-übergriffiger, würde ich sagen.
Was wir daraus mitnehmen können
Veränderung ist ein Prozess. Es ist unwahrscheinlich, dass du direkt jede Situation wahrnimmst, wo du etwas Schlechtes wünschst oder schlechte wünsche konsumierst. Die Situation kann dir so belanglos vorkommen, wie Instagram Kommentare. Auch mir ist erst an diesem Tag ein Licht aufgegangen, dabei kenne ich energetische Flüche schon seit mehreren Jahren. Schlechte Wünsche kommen so wenig in meinem Leben vor, dass ich Hasskomentare gar nicht auf dem Schirm hatte. Das zeigt nur, das man nie auslernt, aber man durch eine verfeinerte Wahrnehmung immer neu entscheiden kann, was man sich anguckt und was nicht.
Du bist nicht verpflichtet jemandem überhaupt irgendwas zu wünschen! Aber wenn, dann doch lieber etwas Gutes. 😊 Etwas, das dich mit der Freude verbindet und mit den schönen Seiten des Menschseins.
Wie du liebevolle Flüche übst
Probiere eine Woche lang, jeden Tag die Loving-Kindness Meditation oder Metta-Meditation aus und beobachte was sich verändert. Nicht wie viel, wenig, gut oder schlecht. Sondern was.
Eine Kurzanleitung: Es beginnt mit dir. Was wünschst du dir für dich? „Ich wünsche mir… (Liebe, Fülle, Freude, Genuss, Leichtigkeit usw.).“ Wiederhole diesen Wunsch ein paar Mal für dich.
Dann weitest du es immer weiter aus an deine Liebsten, die Liebsten deiner Lieben, allen Menschen in deiner Stadt, dem Land, in dem du lebst, allen Menschen auf deinem Kontinent und auf der ganzen Welt. „Ich wünsche allen lebendigen Wesen (Liebe, Fülle oder Leichtigkeit usw.).“ Und natürlich auch an die, mit denen du nicht immer einer Meinung bist. Alle lebendigen Wesen. Keine Ausnahmen.
Das ist nicht leicht. Aber heißt ja auch Persönlichkeitsarbeit, nicht -freizeit. 😉
Wer schreibt hier?

Hej, ich bin Helen!
Ich begleite Frauen dabei, mehr Klarheit, Leichtigkeit und Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen – mit Yoga, Energiearbeit und Coaching. In meinen Blogartikeln teile ich Gedanken, Übungen und Impulse, die dich inspirieren sollen, deiner eigenen Intuition zu vertrauen. Wenn du Lust hast, tiefer einzutauchen: Schreib mir oder schau dich hier um – ich freue mich, dich kennenzulernen.